Kurioserweise stellen wir immer öfter fest, dass durchaus auch Fehler zu Gunsten des Steuerpflichtigen durch die Betriebsprüfung aufgedeckt werden und trotzdem am Ende Gewinnhinzuschätzungen vorgenommen werden, die zu Steuernachzahlungen führen! Wie kann das sein?

Die Betriebsprüfer achten vermehrt auf die Einhaltung der sogenannten Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung, kurz GoB. Langsam aber sicher macht sich dadurch ein Formalismus breit, der kuriose Stilblüten an den Tag bringt. Werden formale Fehler entdeckt, obwohl ansonsten alle Einnahmen richtig versteuert worden sind, besteht grundsätzlich die Gefahr, dass die Buchführung als nichtordnungsgemäß verworfen wird und zwar mit dem Argument, die GoB seien nicht eingehalten worden. Im schlimmsten Fall erfolgt eine sogenannte Vollschätzung der Besteuerungsgrundlagen. Dies bedeutet in der Regel eine künstliche Erhöhung Ihrer Gewinne, die Sie nie erwirtschaftet haben, in Höhe von bis zu ca. 10%. Dadurch erhöht sich in gleichem Maße auch Ihr Reingewinn!

Im besten Fall erreicht man im Verhandlungswege, dass lediglich sogenannte Sicherheitszuschläge festgesetzt werden. Hierbei handelt es sich nicht um eine Schätzung, jedoch werden auch hier die Einnahmen, allerdings beschränkt auf die Bareinnahmen, zwischen 1 und 10% pro Jahr erhöht. In einer durchschnittlichen Apotheke kann dies schon einmal zwischen 20.000,00 und 40.000,00 EUR pro Jahr Gewinnhinzuschätzung bedeuten.

Nachfolgend möchten wir Ihnen einmal aufzeigen, welche Fälle in der Praxis zu solchen horrenden Hinzuschätzungen führen können:

  1. Ausgangs- und Eingangsrechnungen werden nicht entsprechend des Rechnungsdatums den Buchführungsmonaten zugeordnet und gebucht sondern dann, wenn Sie Ihr Geld von den Kunden auf Ihrem Konto gutgeschrieben bekommen oder in dem Monat, wo Sie Ihre Eingangsrechnungen bezahlen.
  2. Es wird kein täglicher Kassensturz durchgeführt. Da der Bargeld-Istbestand und der Bargeld Sollbestand am Ende des Tages übereinstimmen muss, dies aber erfahrungsgemäß nicht immer tut, erwartet hier die Betriebsprüfung die Eintragung von Kassenfehlbeträgen und auch keine Bestände im Kassenbuch. Werden diese nicht vorgenommen, zweifelt die Finanzverwaltung an, dass Sie Ihr Kassenbestand tatsächlich täglich gezählt haben. Hier empfiehlt sich unbedingt das Führen eines Kassenzählprotokolls, obwohl dies rechtlich nicht verpflichtend ist.
  3. Im Kassenbuch werden die 7%igen und 19%igen Umsätze nicht voneinander getrennt ausgewiesen, sondern als Umsatzerlöse in einer Summe. Diese Verfahrensweise verstößt gegen den sogenannten Grundsatz der Klarheit und Übersichtlichkeit und stellt damit einen Formalmangel dar.
  4. Im Kassenbuch wird der errechnete Tagesendbestand in der Kasse nicht täglich aufgeführt. Daraus schließt die Finanzverwaltung, dass Sie Ihre Kasse nicht gezählt, also keinen Kassensturz gemacht haben.

Alleine die Kombination aus Fehler Nr. 1 und einem der 3 weiteren o.g. Formalfehler kann zu einem Sicherheitszuschlag in Höhe von 5 bis 10% Ihrer Bareinnahmen und damit zu Steuernachzahlungen in Höhe von ca. 20,000,00 bis 40.000,00 EUR führen! Und diese Fälle sind bestimmt keine Einzelfälle sondern stellen mittlerweile dir Regel dar!

Vermeiden Sie also unbedingt solche Fehler und besprechen Sie diese Punkte mit Ihrem Steuerberater. Insbesondere Fehler Nr. 1 sollte unbedingt vermieden werden, da Sie diesen selbst kaum bis gar nicht erkennen können.